Die Hill House Reihe

 


Joe Hill hat sich schon seit geraumer Zeit unter den Horrorautoren einen Namen gemacht, nun kommt er mit einer ganz besonderen Comic-Splatter-Reihe um die Ecke. Die "Hill House Comics". 
Im Jahr 2019, zu Halloween hat DC Comics in den USA, dem Autor ein eigenes Imprint innerhalb des Black Labels des Verlags geschenkt und das passt wie Arsch auf Eimer oder besser gesagt Axt auf Kopf.  
Letztes Jahr im Oktober, also genau ein Jahr später erschien dann in Deutschland bei Panini Comics der erste Teil der Reihe mit dem Titel "Ein Korb voller Köpfe". Mit Zeichnungen von Leomacs und Riccardo La Bella. Ein wahres Fest für Fans von Horror-Stories aus den 80ern mit diesem besonderen pulpigen Flair. Blutig, heftig, witzig und schräg. Erinnerungen an den Episodenfilm "Creepshow" werden wach. Damals von George A. Romero und Hills Vater Stephen King ins Leben gerufen. 
"Ein Korb voller Köpfe" spielt im Jahr 1983 auf Brody Island, einer Insel im Bundesstaat...na...wo wohl? Na klar, in Maine. Als die junge June ihren Freund Liam besucht, der auf der Insel dem Sheriff ein bisschen unter den Stern greift brechen plötzlich vier Sträflinge aus dem Knast aus. Was die ganze Sache noch um einiges bedrohlicher macht, ist die Tatsache, das zusätzlich ein heftiges Unwetter die Insel bald komplett von der Außenwelt abschneidet. Als zwei der Sträflinge ins Haus des Sheriffs einbrechen, in dem sich June und Liam gerade aufhalten, gerät die Geschichte so richtig ins Rollen, oder vielmehr die Köpfe. Sehr hilfreich wird beim splatterigen Enthaupten übrigens eine alte Wikinger Axt, die ganz besondere Kräfte hat...


Der Auftakt der Reihe ist absolut gelungen und macht jede Menge Spaß. Coole Zeichnungen, gute Story. Ein Horror-Comic der Extra-Klasse. Nur eben nicht den Kopf verlieren...


Joe Hill, Leomacs, Riccardo La Bella, Dave Stewart
EIN KORB VOLLER KÖPFE
188 Seiten, ISBN 978-3-7416-2012-6, Panini Comics, 20,00 Euro

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Und nachdem der Korb ordentlich mit Köpfen gefüllt wurde, geht's nun weiter ins Puppenhaus. Mitte November folgte also der zweite Teil der Reihe und der hat es ebenfalls in sich, obwohl diesmal der Autor nicht Joe Hill, sondern M. R. Carey ist. Ebenfalls mit viel Mystery und Horror, wunderbar in Szene gesetzt von Zeichner Peter Gross. Beide schufen bereits den "Sandman"-Ableger "Lucifer". 
Im "Puppenhaus" geht es um das junge Mädchen Alice und tatsächlich gibt es kleine Parallelen zum berühmten blonden Mädchen, das einst einem weißen Kaninchen hinterher lief und schließlich in ein tiefes Loch fiel. Die Alice hier fällt allerdings in kein Loch, sondern wird in ein magisches Puppenhaus gezogen. Mittels eines Zauberspruchs kann sie ihrem Elternhaus, das von einem gewalttätigen Vater terrorisiert wird entfliehen. Doch damit betritt sie eine diabolische Welt voller Tücken und mörderischen Versuchungen.
Im zweiten Comic der "Hill House Reihe" wird es noch um einiges mystischer, als es noch bei "Ein Korb voller Köpfe" der Fall war. Nicht ganz so blutig und brutal, aber eben teuflischer und tiefgründiger. Ein tolles Comic Spektakel, das Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre spielt und so perfekt in diese Zeit passt. Einfach schaurig und schön schockierend wie ein alter Horrorfilm von Dario Argento.


Tretet ein und werdet Zeuge, wie der Wahnsinn mehr und mehr Gestalt annimmt... 




M. R Carey, Peter Gross
DAS PUPPENHAUS
164 Seiten, ISBN 978-3-7416-2013-3, Panini Comics, 19,00 Euro

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Falls Ihr immer noch nicht genug habt, dann begebt euch im dritten Comic aus der Reihe tief hinein in den finsteren Wald oder besser gesagt in das kleine Städtchen mit dem illustren Namen Shudder-to-Think. 
Mitte Dezember letzten Jahres schaffte es der vorerst letzte Band der "Hill House Comics" in Deutschland auf den Markt. Die zwei weiteren Bände "Daphne Byrne" und "Plunge" sind bisher nur in den USA erschienen. 
Schließen wir die bisher in Deutschland erschienene Reihe also mit "Im tiefen, tiefen Wald" ab. Nicht weniger mysteriös als seine Vorgänger und ebenso bebildert mit wunderbaren Zeichnungen, diesmal von der Künstlerin Dani, alias Dani Strips. Die Comic-Zeichnerin aus Athen arbeitete auch schon an der Comicadaption von Douglas Adams' "Dirk Gentlys holistische Detektei" mit. 
Als Autorin für diese Nummer wurde Carmen Maria Machado bestimmt, die viel aus ihrem eigenen Leben in ihre Hauptfiguren einfließen lässt. Unter anderem geht um zwei homosexuelle Mädchen, aber vor allem um den Schauplatz in ihrer Heimat Pennsylvania, genauer gesagt um den Ort Centralia in Pennsylvania, wo seit den 60ern unterirdisch in den Kohleminen ein Feuer wütet, das wohl noch sehr lange weiterbrennen wird.


Machado schickt also die beiden Teenager Octavia und Eldora, kurz El ins Feuer, aber bevor es so richtig heiß wird, gehen die beiden Mädchen erstmal ins Kino. Als sie dann Stunden später im Kinosaal aufwachen und ihnen die Erinnerung an die letzten Stunden fehlen, macht sich besonders die junge El ernsthafte Gedanken, was mit ihnen passiert sein mag. Hängt dieser Vorfall vielleicht damit zusammen, dass die beiden Mädchen vor einigen Jahren im Wald von einer merkwürdigen Kreatur angegriffen wurden sind? Fragen, Geheimnisse, böse Mächte und ein wahnsinniges Monster...
Die Teenager gehen dem Geheimnis ihres mysteriösen Heimatortes auf die Spur und machen bald eine erschreckende Entdeckung. 


Irgendwo zwischen "Stranger Things" und der Legende um den "Slenderman" begegnet man sich in diesem Comic. Finster, tiefgründig und optisch einfach ein Genuss kann man zu diesem Werk, aber auch zur gesamten Reihe den Machern nur gratulieren. Ganz große Pulp-Horror-Comic Kunst!



Carmen Maria Machado, Dani
IM TIEFEN, TIEFEN WALD
164 Seiten, ISBN 978-3-7416-2014-0, Panini Comics, 19,00 Euro


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