Heimat

 


Die Barataria war seine Heimat, auf Gedeih und Verderb. Was immer das hieß. Heimat, das war der torfige Geruch von Louisianamoos im ersten Frühlingsregen. Die Termitenschwärme Anfang Mai. Der Lärm der Sumpffrösche im Sommer. Die Heuschrecken am Tag. Die Grillen bei Nacht. Die peitschenden, fünf Minuten langen Gewitter Ende Juli. Die mit Zuckerrohr beladenen Laster, die im Herbst durch die Stadt kamen. Der ausgelassene Karneval des Mardi Gras. Die Segnung der Fangflotte. Die kleine Bateaux, die sich in der Bucht sammelten. Die nadelstichgroßen Punkte ihrer Positionslichter am Horizont wie Weihnachtsbeleuchtung. Das merkwürdige, übernatürlich lebhafte grüne Leuchten der Zypressen in der Abenddämmerung im Frühling. Der erdige Geruch nach gekochten Krebsen. Pekanpralinen Boudin und Gumbo. Alligatoren, Reiher, Rotbarsche und Shrimps. Die Cajun-Stimmen, salzig und rau. Die alten Gesichter, so fremdartig wie Daumenabdrücke.
Wes spürte hier den Sog der Zukunft. Vielleicht war es auch die Schwerkraft der Vergangenheit. Vielleicht beides. Was auch immer es war, aber immer öfter hatte er das Gefühl, die Barataria sei die Gegend, in die er gehörte.

- Das zerstörte Leben des Wes Trench, Tom Cooper



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