Licht

 


"Aber um zu verstehen, was es für mich bedeutete, solltet ihr wissen, wie ich nach dort draußen gelangte, was ich sah, wie ich flussaufwärts kam bis zu dem Ort, wo ich dem armen Kerl zuerst begegnete. Es war der äußerste Punkt auf dem schiffbaren Teil des Flusses und der Höhepunkt meiner Erlebnisse. Irgendwie schien es ein gewisses Licht auf alles um mich herum zu werfen - und in mein Inneres. Eine ziemlich düstere Geschichte - und erbärmlich - nicht irgendwie außergewöhnlich - auch nicht sehr klar. Nein. Nicht sehr klar. Und doch schien es ein gewisses Licht auf alles zu werfen...

Der Blogue möchte sich kurz die Zeit nehmen, um die Aufmerksamkeit mal auf einen Klassiker der Weltliteratur zu lenken. In diesem Fall ist es Joseph Conrads  "Herz der Finsternis". Die Jahrhunderte wechselten sich gerade ab. Das 20. Jahrhundert begann und Conrad kam mit dieser einzigartigen Erzählung um die Ecke, die allerdings etwas brauchte, um sich in die Köpfe der Leser einzubrennen.  Es war die goldene Zeit der Kolonien. Die Kolonien in Afrika. Jener geheimnisvolle Kontinent. Eine Zeit der Ausbeutung und Unterdrückung. 
Conrad selbst war viel auf Reisen und wurde Zeuge, wie die Kolonialmächte Völker unterdrückten, versklavten und bis zum Tode hin ausbeuteten. Er musste dieses Buch damals schreiben.
Um 1890 war Conrad auch in das von Belgien besetzte Kongogebiet gereist. Die Erzählung "Herz der Finsternis" hat zahlreiche biografische Bezüge war für Conrad ein Weg sein Trauma aus dieser Zeit zu verarbeiten. Die Erzählung inspirierte in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche Künstler und tut dies noch heute. Das berühmteste Beispiel ist wohl Francis Ford Coppolas Anti-Kriegsfilm "Apocolypse Now". Ein tiefer Einblick in den Abgrund des menschlichen Verstands. 

Conrad erzählt mit magischer Beobachtungsgabe von jenem Fluss, der bis hin zur Hölle fließt. Eine "göttliche Komödie" in Afrika sozusagen. 
Im Conrads Buch ist es ein gewisser Seemann Marlow (Conrad war damals selbst Offizier auf Handelsschiffen) der seinen Gefährten an Bord von seiner traumatischen Odyssee im Kongo berichtet...

Ein Anflug von schwachsinniger Raffgier durchzog alles wie der Pesthauch von einer Leiche. Bei Gott! Niemals in meinem Leben habe ich so etwas Unwirkliches gesehen. Und die schweigende Wildnis draußen, die dieses gerodete Fleckchen Erde umgab, kam mir vor wie etwas Großes und Unbesiegbares, wie das Böse oder die Wahrheit, geduldig wartend, bis diese groteske Invasion ein Ende fände.

Es ist Conrads Vermächtnis. Eine Anklage gegen die Ausplünderung des Kolonialismus. Eine Selbstheilung durchs Schreiben von Erlebtem (Conrad brauchte damals nicht mal drei Monate für die Erzählung). Ein zeitloser Klassiker der Weltliteratur und ganz zufällig kürzlich im neuen Taschenbuchformat im Reclam Verlag erschienen. Übersetzt und herausgegeben von Daniel Göske. Also? Lesen, leiden, leuchten...im Herz der Finsternis...

Joseph Conrad
HERZ DER FINSTERNIS
166 Seiten, ISBN 978-3-15-020653-9, Reclam Verlag, 8,00 Euro






 



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