Phantasien


Die einzig mir bekannte Liebe war selbstgeschaffene Pornographie. Die Liebhaberinnen, die ich wirklich begehrte, strahlten Männern gegenüber ein Misstrauen aus, das mich auf immer ausschloss. Ich ließ mich zu Phantasien mit Jean Hilliker hinreißen und besaß sie für ein paar Rauschgift-verdorbene Sekunden. Böser Junge, verlorene Seele, unerlösbarer Sucher.
Die amerikanischen Sechziger: Selbst extreme Selbstgefälligkeit stieß zwangsläufig an Grenzen.
Alkohol und Beruhigungsmittel speisten meine Phantasien vom Großen Autor. Während ich in öffentlichen Bibliotheken jede Menge Krimis und historische Bücher las. Amphetamine schenkten mir SEX. Dexedrin, Biphetamin, Desoxyn. Eine Keimdrüsen-treibende Dreiheit. Schwanzlähmende Substanzen. Erotisierend und nicht kontraproduktiv. Es gab keine Frauen. Die waren alle in meinem Kopf.
Die Mädchen vom Hancock Park. Deren Mütter. Schauspielerinnen von Auf der Flucht. Frauen, die ich auf meinen obsessiven Spanner-Touren kurz gesehen hatte.
Die Phantasien waren roh und liebevoll. Ich verkroch mich in Billigklitschen, in Herrenklos von Tankstellen und in dunklen öffentlichen Parks. Ich sah Gesichter, Gesichter und immer wieder Gesichter. Ich sah die Wahre und Eine, die Einzige, die anderen. Es kann nur eine geben. Die auf mich einstürmenden Gesichter mussten mich zu der einen Frau führen.

- Der Hilliker-Fluch, James Ellroy


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