Leseprobe

 


"Was ist denn? Du grinst ja immer noch wie ein Honigkuchenpferd," sagte Ben und nahm den stechenden Geruch von Lucas Eau de Toilette auf, mit dem der mal wieder nicht gegeizt hatte. Fast hätte er niesen müssen.
"Na, was hast du wieder getrieben?", fragte Luca mit gehobenen Augenbrauen.
Ben musterte sein Gegenüber und überlegte kurz, was vorgefallen sein könnte, doch bei seinen letzten Schichten lief eigentlich alles wie gewohnt.
"Was meinst du? Ich weiß nicht, wovon du redest."
"Hier." Luca reichte Ben einen kleinen, leicht zerknüllten Zettel.
"Was ist das?" Ben nahm den Zettel und drehte ihn so, dass die Buchstaben nicht mehr auf dem Kopf standen: "Hallo Ben. Es tut mir leid, dass ich dich heute verpasst habe. Ich hätte dich gerne gesehen. Aber ich weiß, dass es ein anderes Mal klappt. Wir sehen uns auf jeden Fall. Bis später, Schatz."
Bens Kinnlade fiel nach unten, sein Mund blieb offen stehen. Das letzte Wort hallte in seinem Kopf nach. Schatz. Schatz? Schatz! So nannte ihn schon seit einer Weile niemand mehr. Seine letzte Beziehung lag fast ein Jahr zurück und in dieser eher durchschnittlich verlaufenden Partnerschaft kam ihm jenes Wort nie zu Ohren. So etwas sagte Theresa einfach nicht, selbst in guten Zeiten. Und warum sollte sie ihm ausgerechnet jetzt so einen Zettel schreiben und hier abgeben?
"Wo hast du das denn her?", fragte Ben.
"Lag auf dem Tresen", sagte Luca und grinste wieder.
"Wie, einfach so?" Ben drehte den Zettel und begutachtete die Schrift. Kam sie ihm vertraut vor? Er konnte es nicht sagen. Verwirrt nahm er seine Sachen und ging nach vorne in den Verkaufsraum des Tankstellenshops.
"Ich war kurz auf der Toilette und als ich wieder kam, lag der Zettel hier."

aus "Die Heimsuchung - Teil 1: Eine merkwürdige Nachricht",

erschienen in der aktuellen Super Pulp Ausgabe (#13):

Bestellen unter www.blitz-verlag.de



Kommentare