Showtime

 


Es sah eigentlich nicht nach einer Nacht für Horror aus. Jedenfalls nicht für wirklichen Horror. Es war kühl und angenehm. Wegen eines Staus kamen wir etwas später als gewöhnlich an. Eine ziemlich lange Schlange wartete schon. Man konnte das Saturnsymbol des Orbit blau und silbern am Nachthimmel rotieren sehen.
"Verdammt will ich sein!", rief Willard.
"Sind wir alle, wenn wir uns nicht bessern", erwiderte Bob. "Wart ab, bist du erst mal drin bist", sagte ich. 
Wir rückten in der Schlange vor und erreichten schließlich die Anschlagtafel am Eingang. Folgende Filme wurden angekündigt: I Dismember Mama, Evil Dead, Nacht der lebenden Toten, Toolbox Murders und Texas Chainsaw Massacre.
Drinnen hatte die große Party schon begonnen. Leute saßen auf Gartenstühlen, die hinten auf Pick-Ups standen. Manche hingen auch auf den Motorhauben und Dächern ihrer Autos. Punks. Alternde Hippies. Konservative Typen. Jungs und Mädchen aus Studentenverbindungen. Familien. Cowboys und Cowgirls mit Bierdosen, die ihnen aus den Fäusten wuchsen. Holzkohlengrills zischten vor sich hin und spuckten süßen Rauch in den klaren Himmel von Texas. Cassettendecks jaulten gegeneinander an. Einige Liebespaare auf Decken waren so heiß bei der Sache, dass Willard vorschlug, sie sollten Eintritt verlangen. Autos schaukelten im zuckenden Rhythmus der sexuellen Rotationen ungebrochener Jugend. Irgendwo nannte irgendwer irgendwen einen Hurensohn. Andere Leute riefen Sachen, die wir nicht verstanden. Frauen in Bikinis spazierten vorbei, Leute in Monsterkostümen liefen herum. Manchmal jagten die jungen Männer in den Monsterkostümen die Bikini-Frauen vor sich her. Hunde, die von ihren Besitzern aus den Autos rausgelassen worden waren, pissten gegen Reifen oder hinterließen andere Rückstände in der Umgebung.
Und, am allerwichtigsten, oben leuchtete die Leinwand.

- Drive-In, Joe R. Lansdale


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